Rachitis-Prophylaxe




Liebe Eltern,

 

noch bevor Sie zum ersten Mal mit Ihrem Neugeborenen in meiner Praxis sind, bekommen Sie in der Regel von

 

- der Geburtsklinik

- der Hebamme

- oder der Familie und dem Freundeskreis

 

erklärt, daß Ihr Kind vorbeugend vor Rachitis und gegebenenfalls vor Karies geschützt werden sollte. Es handelt sich um die kombinierte Karies-Rachitis-Prophylaxe mit D-Fluoretten 500.

 

 

Wir Ärzte bekommen ebenfalls Empfehlungen, nach denen wir unsere Prophylaxen und Therapien ausrichten können. Dafür gibt es die

 

Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ). Das ist ein unabhängiges Expertengremium, das seine Empfehlungen aufgrund jahrzehntelanger Erfahrung und zahlreicher Studien ausspricht. Diese Empfehlungen weichen interessanterweise oft von der Empfehlung der o.g. Personengruppen ( Klinik, Hebamme, Familie, Freundeskreis ) ab.

 

 

    Die DGKJ hat am „Tag der gesunden Ernährung“ am 07. März 2011 eine Empfehlung zur Versorgung von Säuglingen mit Vitamin D und Fluor ausgesprochen. Das betrifft die Dauer und die Dosis. 

   Zusätzlich zur Muttermilch sollen Babys täglich 400-500 IE (Internationale Einheiten) Vitamin D3 erhalten. Dies gilt für ein Alter bis 12 Monaten im Sommer und 18 Monaten im Winter. Die DGKJ empfiehlt weiterhin, die Vitamin D-Dosis mit einer Fluorid-Dosis von 0,25 mg täglich zur Vorbeugung von Karies zu kombinieren.  

        Empfehlung: D-Fluoretten 500

               für 12 bzw. 15 Monate

(Quelle:http://www.dgkj.de/eltern/meldung/meldungsdetail/babys_brauchen_vitamin_d/ ).

 

 

Ich bin Kinderarzt seit 1. November 1979 und habe durchgehend gute Erfahrungen mit der Empfehlung der Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) gemacht. Deshalb schließe ich mich dieser Empfehlung an.

 

Eine Rachitis, die aufgrund mangelhafter Gabe von D-Fluoretten aufgetreten ist, habe ich in meiner über 35jährigen Tätigkeit nicht gesehen, sodaß man davon ausgehen kann, daß die Vitamin D - Prophylaxe wirksam ist.

 

Was die Fluorgabe betrifft, weiss man ebenfalls, daß die Fluoridprophylaxe sehr wirksam vor Karies schützen kann. Aber es gibt in den ersten drei Monaten Babys, die viel schreien. Ein Teil dieser Kinder schreit wegen der Fluorgabe. Bei diesen sollte das Fluor weggelassen werden. Der andere Teil dieser Schreikinder sind überwiegend Kinder mit Drei-Monats-Koliken. Die Ursache dieser Auffälligkeit ist bislang unbekannt. Das hat mit Fluor nichts zu tun. Die Behauptung, Fluor würde schon in in geringen prophylaktischen Mengen Konzentrationsstörungen bis zur Krebserkrankung hervorrufen, ist durch nichts belegt.

 

 

Ich als Arzt spreche die Empfehlung aus, D-Fluoretten 500 für 12 bzw. 18 Monate zu geben. Im Ausnahmefall bei Schreikindern muß man ausprobieren, ob es das Fluor ist, was die Schreiaatacken hervorruft. Diese Empfehlung muß von Kind zu Kind kontinuierlich überprüft werden. Das tun wir u.a. im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen.

 

Soweit zu den unterschiedlichen Empfehlungen. Auf Basis dieser Empfehlungen sollen Sie als Eltern die Entscheidung treffen, ob Ihr Kind

 

D- Fluoretten 500

Vigantoletten 500 ( ohne Fluor )

Vigantol Öl ( ohne Fluor )

Keine Prophylaxe

 

bekommt.

 

 

 

Um Ihnen alle zusätzlichen notwendigen Informationen für Ihre Entscheidung zu geben, habe ich diese Seite geschrieben. Bitte lesen Sie Sich alles in Ruhe durch und teilen Sie uns Ihren Wunsch bei der Erstvorstellung Ihres Kindes mit.

 

 

 

Weitere Hintergrundinformationen

 

 

Vitamin D-Prophylaxe des Säuglings

 

 

Normalerweise versorgt die Muttermilch das Baby ausreichend mit den erforderlichen Vitaminen. Ausgenommen hiervon sind allerdings die Vitamine K und D, die dem Neugeborenen gesondert und in Form einer Prophylaxe zugeführt werden müssen.

Während das Vitamin K für die Blutgerinnung des Kindes unerlässlich ist, zeigt sich das Vitamin D dafür verantwortlich, die beiden Mineralstoffe Calcium und Phosphat zu resorbieren und sie in die Knochensubstanz des Kindes für ein gesundes Wachstum einzulagern. Bei einem Vitamin-D-Mangel kann es deshalb zu Knochenerweichungen, die zu Verformungen des Skeletts und generellen Wachstumsstörungen führen, der so genannten “Rachitis“ kommen.

 

Entsprechend ist die Vitamin-D-Prophylaxe vor allem auf das erste Lebensjahr des Kindes ausgerichtet. Denn in seinen ersten zwölf Lebensmonaten entwickelt sich das Kind nicht nur extrem schnell, sondern wächst auch mit einem rasanten Tempo und legt passend dazu an Gewicht zu. Am Ende seines 1. Lebensjahres liegt sein Gewicht dreifach höher als zum Zeitpunkt seiner Geburt. Wenn die Knochen nicht stark genug sind, um dieser Entwicklung Schritt zu halten und das zunehmende Gewicht zu tragen, sind Schäden am Skelettgerüst möglich.

 

 

 

Fluoridprophylaxe des Säuglings und Kleinkindes gegen Zahnkaries

 

Die wissenschaftliche Datenlage zur Fluorprophylaxe ist recht dünn. Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, daß eine regelmäßige Fluoridgabe die Karieshäufigkeit nachweislich um 40 bis 60% senkt. Meinen eigenen persönlichen Eindruck habe ich Ihnen bereits oben geschildert. Zur weiteren Verwirrung trägt leider bei, daß die Fachgesellschaften der Zahnärzte und der Kinderärzte seit Jahren voneinander abweichende Empfehlungen zur Kariesprophylaxe im Kindesalter abgeben.

 

Kariesschutz durch Fluoride

 

Fluorid ist ein Spurenelement, das überall in der Umwelt vorkommt. In moderaten Mengen kann Fluorid helfen, Karies zu verhüten, in sehr hohen Mengen kann es auch zu einem Gesundheitsrisiko werden. Die Behauptung, Fluor würde schon in in geringen prophylaktischen Mengen Konzentrationsstörungen bis zur Krebserkrankung hervorrufen, ist durch nichts belegt.

 

Fluoride haben eine vierfache Wirkung in der Vorbeugung von Kariesbildung im Kindesalter:

 

1           während der Zahnreifung in den ersten beiden Lebensjahren werden Fluoride in den noch unreifen Zahnschmelz eingelagert. Dadurch werden widerstandsfähigere Zahnschmelzkristalle (gegen Säuren und Bakterien) gebildet.

2           Auch nach dem Zahndurchbruch wird Fluorid aus der Mundhöhle in die äußere Schicht des Zahnschmelzes eingebaut. Dies führt zu einer oberflächlichen Zahnschmelzhärtung und wirkt der Kariesbildung entgegen.

3           Fluoride im Mundspeichel wirken hemmend auf die Bakterien im Zahnbelag und vermindern deren (zahnzerstörende) Säureproduktion.

4           Fluoride fördern die Remineralisierung des von Säuren angegriffenen Zahnschmelzes, sie helfen also bei der Reparatur beginnender Kariesdefekte im Mundraum.

 

 

Fluoridbedarf im Kindesalter:

 

Um Kinder wirksam vor Karies schützen zu können ist eine tägliche Fluoridzufuhr von etwa 0,05 mg pro Kilogramm Körpergewicht ausreichend. Der tägliche Gesamtbedarf an Fluorid beträgt also altersabhängig:

 

    bei Säuglingen: 0,25 mg

    im ersten Lebensjahr: 0,5 mg

    im Kleinkindalter: 0,5 bis 1 mg

    im Schulalter: 1 bis 2 mg

    Jugendliche: 3 mg

     

Das Grundproblem ist, dass unsere Kinder ein individuelles Risiko haben, an Karies zu erkranken und individuell über die Ernährung und das Trinkwasser, sowie die Zahnpasta sehr unterschiedliche Mengen an Fluorid zu sich nehmen.

 

 

Fluoridgehalt in Wasser, Nahrung und Zahnpasta:

 

Trinkwasser:

Unser Trinwasser ist die wichtigste natürliche Fluorid-Quelle. Leider ist Deutschland in über 90% der Regionen ein Fluormangelgebiet. Die Fachgesellschaften empfehlen bei einer Fluoridkonzentration unter 0,3 mg pro Liter im Trinkwasser zusätzliche Fluoridgaben im Kindesalter.

 

 

Ernährung:

 

Die Muttermilch enthält 0,005 mg pro Liter. In Mineralwässern liegt der Fluoridgehalt zwischen 1 bis 5 (!) mg pro Liter. Weitere fluoridreiche Nahrungsmittel sind z.B.: Tee, Nüsse, Meeresfrüchte und Sojaprodukte. Fluoridiertes Speisesalz ist mit 0,25 mg pro Gramm Salz ebenfalls eine reichhaltige Fluoridquelle. Säuglingsnahrungen auf Sojabasis enthalten Fluorid, Kuhmilchbasierte Säuglingsnahrungen hingegen nicht.

 

 

Zahnpasta:

 

Es ist wissenschaftlich belegt, dass Kinder zwischen 40 bis 60% der Zahnpasta hinunterschlucken. Auf diese Weise können im Kindesalter beträchtliche Fluorid-Einnahmemengen zustande kommen.

 

 

Fazit

 

Die Entscheidung zur Gabe von Fluoridtabletten im Säuglings- und Kleinkindesalter zwischen dem 6. Lebensmonat und dem 12. Lebensjahr ( bis alle bleibenden Zähne durchgebrochen sind ) muß also individuell getroffen werden.

 

Der Fluorgehalt in Trinkwasser, Nahrung, Zahnpasta ist zu berücksichtigen.

 

Eine zahnärztliche Betreuung ist unbedingt erforderlich.

 

Hand aufs Herz: Wer kennt schon den Fluoridgehalt unseres Trinkwassers, der täglichen Ernährung und der täglichen Zahnpastazufuhr seines Kindes? Die Entscheidung kann nur nach grober Schätzung getroffen werden und ist somit im ersten Lebensjahr noch am einfachsten zu treffen.

 

Sollten Sie keine Fluorprophylaxe vor Karies wünschen, möchte ich Sie eindringlich bitten, Ihr Kind auf jeden Fall ab dem ersten durchgebrochenen Zahn von einem Zahnarzt betreuen zu lassen.

 

Der Großteil aller Kinder würde wahrscheinlich keine Fluorprophylaxe benötigen. Diese Kinder bekommen keine oder nur geringe Karies. Zähne putzen reicht in diesem Fall aus.

 

Aber es gibt einen kleinen Prozentsatz von Kindern, die sehr stark zu Karies neigen, trotz Fluor im Trinkwasser, Fluor in der Zahnpasta und Fluor in der Ernährung. Diese Kinder benötigen die Fluorprophylaxe. Welche Kinder das sind, erkennt man erst, wenn die Zähne kariös sind. In diesen Fällen muß der Zahnarzt sagen, ob Fluor-Tabletten oder ein Fluorüberzug sinnvoll sind.